Gedanken zum Lesen: Augmented Annotator und bidirektionales Notetaking

So viele meiner Entwürfe oder Ideen schaffen es bislang nicht ans Tageslicht aka auf diesen Blog – das finde ich schade und möchte es gern ändern. Eine dieser Ideen entstand im Juni 2014 im Rahmen des Experience Design Kurses in meinem Master-Studium und es geht – na klar – ums Notetaking.

Ich will weiter gedruckte Bücher lesen. Ich mag es, ein Buch einfach aufschlagen und lesen zu können. Was ich doof finde, ist dass ich all die vielen interessanten Aussagen und zitierwürdigen Passagen nicht im Handumdrehen für später „abspeichern“ kann. Ich brauche Papier und Stift, um sie rauszuschreiben oder ich benutze mein Smartphone, um eine Seite abzufotografieren. Da es für mich total normal ist, Paper oder Slides auf dem iPad (mittels iAnnotate) oder meinem Surface Pro zu konsumieren, wünsche ich mir dieses „mal eben was highlighten“ auch echt gerne bei good old Büchern. Nun mag man sagen: „ehm, ja das gibt’s bereits und nennt sich Markerstift“. Aber…

  1. mag ich die Idee vom nicht-destruktiven Bearbeiten von Quellen.
  2. was macht man bei geliehenen Büchern – sei es aus der Bibliothek oder von Freunden? und
  3. die markierten Stellen möchte ich später wiederfinden und dafür nicht (blind) in Büchern kramen müssen

Man ist ja bei Google Glass noch auf der Suche nach geeigneten Use Cases, aber einer fiel mir ein, dass Google Glass für dieses Problem echt praktisch wäre: Mithilfe eines speziellen Stifts oder auch einfach nur mit dem Finger (als Werkzeug) könnten Passagen wortwörtlich im Handumdrehen markiert und für die persönliche Wissensdatenbank abgespeichert werden. Die Idee taufe ich auf den Namen Augmented Annotator und hier ist die Nutzungsweise:

  1. eine Papierseite, auf der man etwas Interessantes liest und für später aufbewahren will

    Schritt 0 - Ausgangszustand

    Schritt 1 – Ausgangszustand

  2. Textstelle mit dem Finger Stellen hervorheben (Google Glass müsste man dabei natürlich auf der Nase tragen, damit der Kontext, aka die Buchseite erfasst werden kann)

    Schritt 2 - Text mit dem Finger markieren

    Schritt 2 – Text mit dem Finger markieren

  3. mit Google Glass dann sichtbar auf der jeweiligen Buchseite

    Schritt 3 - Augmented Annotator in Aktion

    Schritt 3 – Augmented Annotator in Aktion

Okay, jetzt ist es gehighlighted, aber das Markieren von Textstellen bringt meiner Meinung nach nur etwas, wenn man sich diese Markierungen auch separat anzeigen lassen kann. Vor einem Jahr bin ich auf ein Paper von Bauer & Koedinger (2008) gestoßen, die mit dem „Highpad“ einen meiner Meinung nach super Ansatz verfolgen: Hervorgehobener Text wird automatisch in einer Textdatei abgespeichert, sodass nach dem Durcharbeiten eines Texts automatisch auch eine Art Zusammenfassung vorliegt (zusätzlich ist dieses Highpad in einer Art Splitscreen jederzeit zum Quellentext sichtbar, sodass man auch immer einen Überblick hat, was man da jetzt schon alles sich Wissenswertes rausgeschrieben hat).

Im Prinzip genauso macht es ja auch iAnnotate mit seiner Summary Funktion. Was ich nur dabei schade finde: Die Notizen will man im späteren Verlauf auch wieder dem Originaltext zuordnen – es handelt sich schließlich um Referenzen zum Text. Das Stichwort dafür heißt bidirektionale Verknüpfung – also dass man von der hervorgehobenen und herauskopierten Markierung auch wieder zurück zur Quelle gelangt. Hier zeigt nun OneNote, wie eine Lösung aussehen könnte: im sogenannten Andock-Modus (Strg + Alt + D) lassen sich verknüpfte Notizen erstellen. Aus Word oder dem Internet Explorer herauskopierter und in OneNote eingefügter Text erhält automatisch linkerhand ein Symbol, welches per Klick das Quelldokument an der passenden Stelle öffnet:

Lorem-Ipsum-Hervorheben-0

Random Text in Word-Datei

Lorem-Ipsum-Hervorheben-1

Da ist was Interessantes!

Verknüpfte Notiz in OneNote

Verknüpfte Notiz in OneNote

Das ist ziemlich cool, klappt aber leider bislang nicht mit PDF-Dateien – und wer hat/will schon Paper im Docx-Format lesen?

Warum ich das alles schreibe? Ich weiß mittlerweile, dass nicht jeder so scharf aufs Niederschreiben und „abheften“ von Dingen ist, wie ich es bin. Aber ich bin mir sicher, dass es noch genug andere Leute gibt, die solch einen Anwendungsfall mit der beschriebenen Lösung klasse fänden. Dieses Blog schreibe ich unter anderem aus dem Grund, meine Gedanken zum Notetaking strukturiert niederzuschreiben und andererseits in der Hoffnung, Gleichgesinnte kennenzulernen und mich mit ihnen vernetzen zu können. Also, was haltet ihr von Augmented Annotator sowie bidirektionalen Notizen? Ich glaube so mancher hätte sich sowas im Rahmen seiner Abschlussarbeit gewünscht!

Referenzen:

http://www.aobauer.com/highlighting.htm (Demo vom Highpad sowie die Erklärung und Paper zum Thema)