Freiwillige vs. erzwungene Mundpropaganda

Ende Juni bekam ich überraschenderweise ein Paket vom Marktforschungsportal trnd.com. Darin enthalten war ein neu erschienener Rasierer der Firma Gillette, passend dazu Ersatzklingen sowie eine ganze Menge Marktforschungsunterlagen aka Propaganda-Material. Ich hatte mich Anfang des Jahres bei trnd angemeldet, weil ich hoffte, das damals vor der Einführung stehende Samsung GALAXY NotePRO 12.2 testen zu können, war jedoch nicht unter den 200 Auserwählten. Außerdem meinte eine Freundin, dass ich doch genau dem trnd-Beuteschema entsprechen würde, schließlich erzähle ich meinen Mitmenschen auch überschwänglich von gewissen WMF-Teigschabern, denn das will man bei trnd: Produkte ausprobieren und dann möglichst vielen Menschen davon berichten, im echten wie im virtuellen Leben.

Nun also der Gillette Body Rasierer speziell für den Mann und dessen Körperbehaarung. In vielen Mails oder Forenbeiträgen auf der Projektseite werden halbwegs kreative Anregungen genannt, wie man sich und den Rasierer ins Gespräch bringen kann (bei der Fußball-WM, im Freibad, beim Grillen oder gar als Spielchen auf Hochzeiten). Und man solle doch bitte gaaaaaanz viele Fotos machen, nicht nur beim Auspacken sondern, ja, auch beim Ausprobieren des Rasierers, um diese dann ins öffentlich einzusehende Portal hochzuladen. Und das taten anscheinend einige der 2500 Projektteilnehmer auch. Ich sag mal, in der Galerie gab es viele Männerbrüste unterschiedlichster Ausprägung in Vorher-/Nachher-Manier zu sehen. Ob ich auch Fotos gemacht habe? Ja für mich persönlich schon, um selbst nachvollziehen zu können, wie gründlich die Rasur ist. Aber für’s Veröffentlichen ist mir sowas zu persönlich. Wohlmöglich liegt es einfach an der Produktart, dass trnd und ich in dem Fall nicht so recht Freunde werden aka ich mich nicht so verhalte, wie trnd es sicher gern hätte: Einerseits darüber bloggen (*hust*, das mach ich hiermit sogar), aber andererseits Leuten den Rasierer zeigen und die im Lieferumfang enthaltenen Fragebögen von ihnen ausfüllen lassen. Das erinnert mich eher an Versicherungsvertreter und Tupperware-Party, worauf ich keine Lust habe und was ich vor allem als Belästigung meiner Freunde empfinde. Außerdem bekomm ich außer dem Testprodukt an sich keine Entlohnung sondern mache das auf freiwilliger Basis, womit wir beim Knackpunkt der Sache wären: Weitererzählen aus Überzeugung und nicht, weil ich’s müsste.

Im Weitererzählen aus Überzeugung bin ich weiterhin gut, wie Freunde und Bekannte erst kürzlich wieder feststellen konnten. Ich war vergangene Woche in meiner Heimat Berlin, besuchte dort unter anderem ein Theaterstück und ging spontan (übrigens ebenfalls auf Empfehlung) allein ins Kino. Bei beiden Events erzählte ich im Anschluss sowohl im Real-Life als auch auf Facebook, wie witzig Gutes Wedding, schlechtes Wedding und gut Boyhood doch seien – ganz freiwillig und vor allem aus der Überzeugung heraus, dass unterstützenswerte Dinge weitererzählt werden sollen. Der Rasierer hingegen ist in Ordnung, aber meiner Meinung nach nichts Besonderes. Doch auch Negatives soll man laut trnd über das Produkt sagen dürfen, die eigene ehrliche Meinung halt und insofern verhalte ich mich vielleicht letztlich doch so, wie trnd es gern gehabt hätte…

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